Aus der Geschichte des Gymnasiums Athenaeum

Alter: Über 800 Jahre

Entstehungsdatum: unbekannt

erste Erwähnung in einer schriftlichen Quelle: 1393; Schüler der St. Jürgen-Schule werden genannt.

Ort:
In der Innenstadt Stades als Teil des Prämonstratenserstifts St. Georg, das 1132/37 von den Stader Grafen kurz vor deren Aussterben gegründet wird. Bis 1901 bleibt die Schule an der "Steilen Straße" am Rande des "Pferdemarktes". 1901-1926/29 befindet sie sich am Rande der Innenstadt gegenüber vom Bahnhof auf dem ehemaligen Festungsgelände aus der Schwedenzeit; seitdem im Gebäude des ehemaligen Schullehrerseminars an der "Harsefelder Straße". Dazu gehört ein eigener Sportplatz und botanischer Garten. 1958 wird ein Anbau eingeweiht, 1960 eine zweite Turnhalle und 1962 ein Lehrschwimmbecken, 1982 der letzte Erweiterungsbau mit neuem Eingangsbereich, Forum und Fachräumen.

Veränderungen:
Die Klosterschule, die Jungen zu Geistlichen ausbildet, nimmt im Mittelalter mit der Zeit als Externe auch Stader Bürgersöhne auf, die eine anspruchsvolle Bildung erhalten sollen. Studenten aus Stade sind an vielen mittelalterlichen Universitäten nachgewiesen.

In der Zeit der Reformation wird aus der Klosterschule eine städtische Lateinschule mit einem Schulmeister und drei Schulgesellen.

1588 wird die Lateinschule in ein Gymnasium umgewandelt, das im 17. Jahrhundert zeitweise auch "Athenaeum" genannt wird. Hier lernen Schüler in der obersten Klasse, der Prima, Griechisch, Hebräisch, Naturwissenschaft, Philosophie und Theologie. Gelehrte Rektoren, die durch Buchveröffentlichungen weithin bekannt sind, ziehen Schüler aus ganz Norddeutschland an die Stader Schule. Auf Lateinisch durchgeführte Disputationen werden veröffentlicht. Stades Gymnasium wetteifert im Ansehen mit denen in Bremen und Hamburg.

Mit dem Rückgang von Stades Bedeutung sinkt im 18. und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert auch das Ansehen des Gymnasiums.

1830 wird die Schule als ein Gymnasium anerkannt, an dem Schüler durch die Maturitätsprüfung die Zulassung zum Studium erhalten können. 5-8 Schüler sind es im Durchschnitt pro Jahr, sie stammen zumeist aus der Umgebung Stades.

1871 erfolgt die Umwandlung in eine staatliche Schule, in ein königliches Gymnasium. Inzwischen ist ein sog. Realprogymnasium als Parallelzweig eingerichtet worden.

Mit der Revolution 1918 verliert die Schule ihr königliches Attribut, aus Gymnasialprofessoren werden Studienräte, aber sonst ändert sich im Schulleben nicht viel. Statt des Realprogymnasiums wird von 1928 an eine Oberrealschule in Aufbauform eingerichtet.

In der Nazizeit wird aus dem Gymnasium eine Oberschule. Wie andere höhere Schulen Deutschlands nimmt sie die nationalsoziatistische Ausrichtung hin, aber für Kontinuität sorgt ein Schulleiter, der trotz politischer Umstürze von 1927 bis 1950 im Amt bleibt.

Erst in den 60er Jahren findet in einem allmählichen Prozeß eine Umwandlung des Gymnasiums statt in eine liberale und leistungsorientierte Schule, angepaßt an eine demokratische Gesellschaft. Heute ist sie zugleich stolz auf die Tradition und stolz darauf, daß die Schüler sagen können: "vitae discimus".

Literatur:
HOLLMICHEL, Winfried / PILLER, Klaus
Geschichte des Athenaeums.
400 Jahre Gymnasium - 800 Jahre Lateinschule
Stade 1988